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REGISSEUR: Mark Sikora

Kurz-Biographie
Illustrationen, Plattencover, T-Shirts u.a. für Napalm Death, Cryptic Slaughter, Macabre, Zap etc. und das eigene Bandprojekt Wald;
ab 1990 freier Autor für Spex
von 1997 bis zum Ende von Viva Zwei verantwortlicher Redakteur/Produzent der Viva-Formate Wah² und Zwobot

Filmographie:
2000 "Prowler" (Bohren & Der Club Of Gore)
2002 "Midnight Black Earth" (Bohren & Der Club Of Gore)


popzoot: Du bist jetzt bereits das zweite Mal mit einem Bohren Clip für den MuVi-Award in Oberhausen nominiert worden. War das für dich abzusehen und inwieweit entschädigt das für die harte Arbeit?

Mark Sikora: Juryentscheidungen sind immer äußerst delikat. Da spielen viele interne Faktoren eine Rolle, die man als Außenstehender weder steuern noch berechnen kann. Am besten sollte man nicht zu viel darüber nachdenken. Ich habe mich sehr über die Nominierung gefreut. Besonders überraschend fand ich, das es diesmal mehr als 200 eingesendete Beiträge gab, also eine Menge Holz. Andererseits: Anerkennung ist schön, aber am wichtigsten ist mir, dass ich mit meiner Arbeit selbst zufrieden bin. Und da bin ich auf Gedeih und Verderb mir selber und meinen eigenen Massstäben ausgeliefert.

popzoot: Da dein Video so unglaublich dunkel ist, erzähl doch mal kurz worum es geht, damit wir etwas Licht in die Sache bringen können.

Mark: Ich habe mehrere interessante Theorien darüber gehört, was in dem Clip passieren soll. Eine besagt, das Ganze sei eine Art Ausgrabungsdokumentation, in der die verwesten Überbleibsel einer zerstörten Zivilisation zu sehen sind. Andere meinen, in "Midnight Black Earth" würde die morbide Sammlung eines potentiellen Massenmörders ausgestellt. Und während der Arbeit am Clip gab es Diskussionen darüber, ob es nicht eine Art dunkle Zeitlupenversion eines Maurice Binder-Vorspanns sei. Mir gefallen all diese Vorstellungen, und ich fände es schade, wenn eine eindeutige Interpretation die Fantasie der Zuschauer einschränken würde. Nochwas zum Thema Dunkelheit: Mir ist klar, dass die meisten Leute die Bohren-Clips bisher noch nicht in der bestmöglich Bildqualität sehen konnten - gerade die im Internet und auf CD-R herumgeisternden Versionen von "Prowler" sind viel zu duster. Zum Teil finde ich diese Minderung der Bildinformationen ganz passend, dennoch wird es in Zukunft hoffentlich auch andere, hochauflösendere Versionen der Videos geben, vielleicht ja eines Tages auch auf DVD.

popzoot: . Mit welcher Absicht und welchen Erwartungen bist du an den Clip herangegangen? Viel Aufmerksamkeit seitens der Musiksender bekommt man ja nicht gerade mit solch a-normalem Material, d.h. nur wenige Leute werden das Video überhaupt zu Gesicht bekommen. Warum macht man es dann trotzdem? Ist das die Liebe zur Musik, die Liebe zum Film?

Mark: "Midnight Black Earth" sollte von Anfang an ein Sequel zum ersten Bohren-Video "Prowler" werden. Aber ein Sequel, das auch ohne Kenntnis des Vorgängers in sich schlüssig ist. Einige Motive - Wald; Würfel; "leblose" Gestalten - tauchen in abgewandelter Form wieder auf. Andere Elemente - wie der Planet, die Hand oder der Schädel - sind hinzugekommen, auf bestimmte Effekte - wie das Stroboskop-Licht - habe ich bewußt verzichtet. Während der erste Clip zwar auf vagen Notizen und einigen Storyboards basierte, so war der ganze Produktionsprozess doch sehr frei und improvisiert, wie das Automatic Writing bei den Surrealisten. Dem zweiten Clip ging eine sehr viel präzisere Planung voraus. Die Objekte, die einbalsamierten Leichname und abgekochten Knochen wurden schon im Vorfeld optisch viel stärker aufeinander abgestimmt, während bei "Prowler" viel mehr Bild-Nachbearbeitung erforderlich war. Ausserdem habe ich zu dem Bohren-Stück einen kurzen Text verfasst, so wie die großartige niederländische Band Gore ihren Instrumental-Alben auch immer Lyricsheets belegte. Anhand dieses Textes habe ich die vorhanden Bilder und Objekte dann geordnet. Diese Arbeits-Prozesse waren für mich extrem lehrreich. Vor dem Video hatte ich eigenlich sehr wenig mit Skulpuren am Hut, jetzt bin ich regelrecht vernarrt in das Bauen und Bearbeiten von Objekten. Ich habe mir auch in der Zwischenzeit einige neue Werkzeuge zugelegt. Eine ähnliche "Learning By Doing"-Erfahrung hatte ich beim Gestalten und Entwerfen der Zwobot-Show. Insofern war das Ganze für mich bisher schon lohnenswert. Wieviele Leute das Video letztendlich sehen werden - wer weiß? Das Schöne an Bohren und hoffentlich auch an den Videos ist, dass sie eine zeitlose Qualität haben, und man sich auch noch in einigen Jahren damit beschäftigen kann.

popzoot: Du warst lange Produzent bei Viva(Zwei) und hast z.B. Formate wie Wah2 und Zwobot gemacht. Doch wie kamst du zur Arbeit als Regisseur und den Videos für Bohren & der Club of Gore?

Mark: Morten, Thorsten und Robin kenne ich schon seit über 15 Jahren. Lange vor Bohren, sogar noch bevor sie 7 Inch Boots gegründet haben. Wir sind uns öfter auf Hardcore- und Metal-Konzerten über den Weg gelaufen. Und wir hatten damals ähnliche musikalische Vorlieben: Slayer, Celtic Frost, Autopsy, Repulsion, Gore, Hirax, Nasty Savage, Septic Death, Misfits. Aber auch so Sachen wie Chris Isaak oder Goblin. Ich habe mehr oder minder jede Stufe der Entwicklung von Bohren halbnah miterleben können: die Hardcore-Phase, die ersten Demos, die Singles, die erste CD. 1993 haben Bohren bei meinen Eltern zu Hause in Ratingen auf dem Speicher gespielt. Mit Stroboskop-Licht und so ner Art Xylophon. Das war ziemlich gut. Ein paar Sekunden haben wir auch mal beim Wah²-Spezial gezeigt. Und das ist auch der zweite dunkle Pfad: lange vor Wah² bin ich schon mit Bohren bei meinen Medien-Kollegen hausieren gegangen. Das ging los beim Zap, dann weiter zur Spex, bis hin zu Wah² und Zwobot. Denn abgesehen davon, das ich die Jungs privat kenne und mag, finde ich sie als Band einzigartig und unterstützenswert. Und diese Kombination kommt selten genug vor. Oft stellen sich tolle Musiker als komplette Arschlöcher heraus. Und noch öfter entpuppen sich die Leute hinter langweiliger Musik als irre "nette" Typen. Was nicht unbedingt ein Kompliment sein muss.

popzoot: Seit einiger Zeit scheinen Musikvideoregisseure immer mehr den abendfüllenden Spielfilm für sich zu entdecken. Gibt es dahingehend bei dir irgendwelche Pläne? Und werden weitere Bohren-Visualisierungen unter deiner Regie entstehen?

Mark: Clipregisseure machen Spielfilme - Segen oder Fluch? Ich bin eher durch eine Verkettung seltsamer Zufälle zum Musikfernsehen und auch zum Videoclip gekommen. Als Teenager wollte ich lange Zeit Grafiker und Comiczeichner werden, aber meine große Liebe war schon damals der Spielfilm. Wie bei vielen war für mich "Krieg der Sterne" die Initialzündung. Nur war mir damals die ganze Logistik des Filmemachens ziemlich undurchsichtig. Mittlerweile habe ich eine sehr genaue Vorstellung von dem, was ich gerne als Film sehen möchte, und auch wie ich es innerhalb meiner Möglichkeiten erreichen kann. Und - Überraschung! - im Moment arbeite ich tatsächlich am Konzept für meinen ersten Spielfilm. Neben Storyline, Produktionszeichnungen und Arbeitstitel gibt es auch schon einen ersten Plakatentwurf. Der Film wird ziemlich genau 82 Minuten lang und sehr, sehr bildgewaltig.
Was Bohren angeht: mittlerweile hat sich nebenher so viel fantastisches Material angehäuft, das ich mir ernsthaft überlege, das Ganze in eine abendfüllenden Dokumentation zu packen. So eine Art "Blair Witch Project" trifft den "Buena Vista Social Club" in der Hölle. Titel wäre wahrscheinlich "The Art Of Coffins". Aber wie es da weitergeht, und ob ich noch ein Bohren- Video machen werde, das steht in den Sternen.

popzoot: Wie empfindest du ganz persönlich die momentane Situation im Musikvideobereich, sprich ohne "alternative" Abspielstation? Wie wird die Zukunft aussehen und welche Rolle könnte das Internet dabei spielen?

Mark: Seit dem Wegfall von Viva Zwei ist es für viele kleinere Label wieder schwieriger geworden, ihre Videos zu plazieren. Aber Musikfernsehen ist nunmal in erster Linie Chartsfernsehen. Musikclips machen Werbung für ein Produkt. Sie sind in der Regel sehr teuer. Sie werden in der Regel von Werbefilmern produziert. Und die Werbefilmer orientieren sich stilistisch sehr genau an dem, was der Markt gerade hergibt. Alles, was darüber hinaus auf "künstlerischer" Ebene passiert, ist schön und gut, aber nur Nebenschauplatz. Als ich zu Viva kam, wollte ich ausschließlich Wah Wah machen, weil ich mich eher zur Peripherie als zum kleinsten gemeinsamen Nenner hingezogen fühle. Ich denke, Nischenplätze wird es bei den beiden großen Musiksendern und ihren angeschlossenen Verbände hierzulande immer mal wieder geben. Die Möglichkeiten, mit wenig Geld fantastische, innovative Videos zu produzieren, werden jedenfalls von Jahr zu Jahr besser. Das Internet wird sicherlich in Zukunft weiterhin eine Rolle spielen, aber der User muss ja da auch wissen, wonach er eigentlich sucht. Das Fernsehen ist immer noch die bequemere Variante. Und solange die Musikindustrie sich in der Krise wähnt, wird auch das Fernsehen auf Nummer sicher gehen.

popzoot: Welches Musikvideo ist denn momentan eines, bei dem du sagen würdest "geiles Video!"

Mark: Ich kümmere mich zur Zeit nicht so sehr um das aktuelle Videogeschehen. Das letzte Video, das mir richtig imponiert hat, war "Gantz Graf", ein Clip von Alexander Rutterford für einen ziemlich anstrengenden Autechre-Track auf Warp. Eine grafisch sehr schöne, digitale Schnipselarbeit. Rutterfords Design reagiert auf jeden Kaputnik-Wechsel des Tracks in sehr futuristischer Manier. Und der Track besteht fast nur aus Wechseln. Viele VJ-Sets funktionieren nach einem ähnlichen Prinzip. Nur finde ich die meist total öde und unoriginell. Man klaut sich ein paar Bilder aus Film und Fernsehen, müllt ein paar Effekte drüber und schneidet die Pampe im Takt zusammen. Rutterfords Grafiken illustrieren den Autechre-Track hingegen sehr präzise und passend, fast schon ein wenig zu akademisch. "Midnight Black Earth"-Cutter Stefan Faber hat mir freundlicherweise seine Warp-Promo CD/DVD geschenkt, auf der neben "Gantz Graf" auch noch eine Version von Chris Cunninghams Spitzen-Video zu Autechres "Second Bad Vilbel" drauf ist.

PS: An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank an Stefan Faber und meinen Lieblings-Kameramann Jochen Schmitz für ihren fantastischen Beitrag zum Bohren-Kosmos!

popzoot: Vielen Dank für das Interview!
 
 

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